Macher, Künstler, Freunde
Text Eline Cordie · 26. November 2024
Sjaak Nan
Das Abenteuer eines guten Glases

Seit einem Vierteljahrhundert führt Sjaak Nan Wijnen in Amsterdam-Zuid. Davor leitete er jahrzehntelang ein Delikatessengeschäft, in dem Essen und Wein selbstverständlich zusammengehörten. „Es fühlte sich ganz natürlich an, mich irgendwann vollständig auf Wein zu konzentrieren“, sagt er. Heute umfasst das Sortiment rund 450 Weine aus Frankreich, Italien, Spanien, Argentinien, Südafrika und darüber hinaus.
Warum Wein spannend bleibt
„Was Wein so faszinierend macht, ist, dass er lebendig ist. Dieselbe Rebsorte, in anderem Boden, bei anderem Wetter und von einer anderen Winzerin oder einem anderen Winzer gepflegt, kann völlig unterschiedlich schmecken. Wenn man Reben pflanzt, sind die Trauben in den ersten drei oder vier Jahren noch gar nicht brauchbar — sie brauchen Zeit, um zu wachsen und zu reifen. Dazu kommt die Unberechenbarkeit der Natur: ein Kälteeinbruch im Frühling oder ein Hagelsturm, der die Blüten zerstört und die ganze Ernte vernichtet. Das kann brutal sein, aber genau das macht Wein so spannend: all diese Variablen, all diese Risiken und dann das Abenteuer, wenn am Ende doch alles in der Flasche zusammenkommt.“
Menschen beim Wählen helfen
Was er am meisten genießt, ist die Beratung seiner Kundschaft. „Viele kommen herein und sagen: Ich kenne mich mit Wein überhaupt nicht aus. Oder sie sind leicht panisch, weil ihr Chef zum Essen kommt und sie nicht wissen, was sie servieren sollen. Ich frage, was sie sonst trinken und was sie mögen. Wenn jemand Chardonnay sagt, schlage ich etwas vor, das nah genug dran ist und trotzdem überrascht. Es macht Spaß, Menschen ein wenig aus ihrer Komfortzone zu holen. Der schönste Moment ist, wenn sie zurückkommen und sagen: Das war genau richtig.“
Der Preis, sagt er, ist kein verlässlicher Maßstab für Genuss. „Wichtig ist gute Qualität zu einem vernünftigen Preis. Nur weil eine Flasche dreimal so viel kostet, schmeckt sie nicht automatisch dreimal so gut. Es kommt immer auf den Zusammenhang an. Wenn die neunzehnjährige Tochter eine Party für zwanzig Freundinnen und Freunde gibt, warum sollte man dann eine teure Flasche öffnen?“
Eine seiner eindrücklichsten Flaschen war ein Pétrus 1995, ein ikonischer Merlot aus Pomerol. „Er kostet ungefähr fünftausend Euro pro Flasche, und ein Kunde wollte ihn nach einem finanziellen Glücksfall ganz bewusst trinken. Wir haben ihn zusammen sehr vorsichtig geöffnet. Aber der eigentliche Genuss war am Ende, dass daraus ein wunderbarer Abend in guter Gesellschaft wurde.“
Reisen, Erinnerung und Geschmack
Vieles von seinem Weinwissen hat er auf Reisen gelernt. „Frankreich und Italien sind nach wie vor meine Favoriten, weil es dort so viele Weinregionen und deshalb so viel Vielfalt gibt. Meine Familie hat sich immer beschwert, dass ich in jedem Urlaub ein Weingut besuchen wollte. Auf beiden Seiten der Anden wird für die Bewässerung Schmelzwasser genutzt — das zu sehen, fand ich unglaublich spannend.“
Zu Hause bleibt sein Geschmack eher schlicht. „Zum Auftakt ein Glas Schaumwein, etwa Champagner oder Crémant. Zu Fisch mag ich einen frischen Sauvignon Blanc wie Pouilly Fumé. Zu einem kräftigeren Essen einen Burgunder-Chardonnay. Es kommt immer auf den Moment an.“ Und wenn er auswärts essen geht, gibt es einen klaren Favoriten. „Zoldering in der Utrechtsestraat. Für mich ist das eine der besten Weinkarten der Stadt, wenn nicht die beste.“
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