Macher, Künstler, Freunde
Text Eline Cordie · 29. Oktober 2024
May Liok
Langsamer Rhythmus

Die in Amsterdam lebende Keramikerin May Liok arbeitet weder mit Töpferscheibe noch mit Formen. „Ich baue alles von Hand. Ich beginne mit einem Klumpen Ton, knete ihn, ziehe ihn und baue ihn Schicht für Schicht auf. Einen Meter Höhe schafft man nicht in einem Zug. Das Material muss trocknen, man kommt am nächsten Tag zurück und setzt eine weitere Schicht darauf. Ton zwingt einen dazu, sich Zeit zu nehmen.“
Arbeiten mit Ton
„Oft glasiere und brenne ich gleichzeitig. Dadurch wird der Ton wieder feucht und die Schichten verbinden sich. Das ergibt einen anderen Effekt, als wenn man beides getrennt macht. Aber ich mag es auch, Arbeiten roh und unglasiert zu lassen. Dann sieht man die Struktur des Tons, den Abdruck meiner Finger. So bleibt das Stück lebendig.“
„Lange habe ich fast nur mit Braun-, Beige- und Weißtönen gearbeitet. Vor zwei Jahren hatte ich privat eine schwierige Phase, und etwas veränderte sich auch in meiner Arbeit. Ich wurde viel freier und hatte weniger Angst vor Fehlern. Seitdem arbeite ich mit kräftigen Farben: Rot, Blau, Grün, Weiß. Ich versuche Fehler nicht mehr als Fehler zu sehen, sondern sie anzunehmen. Im Ton wie im Leben geht nicht immer alles so aus, wie man es geplant hat — und genau darin kann etwas Neues beginnen.“
„Es ist schwer, eine einzige Inspirationsquelle zu benennen, eigentlich ist es eher das Leben selbst. Begegnungen mit Menschen, ihre Energie. Die Arbeit mit Ton ist eine Form von Therapie. Aber manchmal ist es auch etwas ganz Einfaches, das mich bewegt, etwa die Rinde eines Baums. Ich nehme das mit ins Atelier und schaue, ob ich es in eine Arbeit übersetzen kann.“
Atelier und täglicher Rhythmus
„Mein Atelier befindet sich in einem ehemaligen Schulgebäude in Amsterdam, das ich mit zwei anderen Keramikerinnen teile. Das Licht dort ist wunderschön. Um uns herum arbeiten Möbelmacher, Modedesigner, Künstler. Es ist eine echte Gemeinschaft. Man kann immer jemanden bitten, etwas Schweres mit anzuheben, eine Idee zu besprechen oder einfach kurz zu reden. Diese Atmosphäre ist sehr besonders.“
„Früher habe ich immer mit Kopfhörern gearbeitet. Ich höre am liebsten instrumentale Musik, die mich in einen tranceartigen Zustand bringt: Joep Beving, The Morning Show auf NTS Radio, Techno-Sets. Aber es kann genauso schön sein, einfach die Stille zu genießen. Ich habe mir selbst lange ziemlich starre Bedingungen gesetzt. Wenn meine Kopfhörer nicht geladen waren, hatte ich das Gefühl, nicht arbeiten zu können. Ich lerne eigentlich immer noch, das loszulassen, und manchmal finde ich das ziemlich schwierig. Die gute Nachricht ist, dass es immer besser geht. Mein Partner liest gerade Rick Rubins Buch The Creative Act — A Way of Being, und er schreibt viel genau darüber. Das hilft mir sehr in meinem eigenen Prozess.“
Bücher, Musik und Küche
„Gerade lese ich The Emperor of Gladness von Ocean Vuong. Auch All Fours von Miranda July hat mich sehr beeindruckt. Ich lese am liebsten ganz altmodisch auf Papier. Wenn ich mein Bücherregal anschaue, sehe ich auch meinen eigenen Weg darin: was ich gelesen habe und wie sich meine Interessen im Lauf der Jahre verschoben haben. Ein E-Reader kann das nicht ersetzen.“
„Ich koche gern Linsen, Bohnen und Eintöpfe. Lustigerweise bin ich dabei das genaue Gegenteil von dem, wie ich im Atelier arbeite — ich halte mich lieber streng an Rezepte. Das gibt mir Ruhe. Mein Favorit ist Spaghetti mit karamellisierten Schalotten, Sardellen und Tomatensauce. Eine Freundin hat mir das Rezept vor acht Jahren gezeigt. Es ist salzig, süß, umami. Ich mache es fast jede Woche.“
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